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Friedrich Stahlhuber
24. Dezember 2012, 09:23
Wie blind muss man sein, um ernsthaft zu behaupten, dass sich West und Ost in den vergangenen 22 Jahren nicht angeglichen haben. Die von Ihnen beschriebene "Nachwende-Blindheit" attestiere ich Ihnen, Herr Frase.
Zu Ihren Beispielen in Rostock:
Liste der Baudenkmäler in
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torsten steinbeck
27. September 2010, 13:52
Das ist ein sehr schöner Bildbeitrag der mal eines gesagt sein lassen will:
Die blühenden Landschaften, die Kohl prophezeite, sind längst Wirklichkeit!
Mich kotzen deshalb diese Jammerer aus der Ex-DDR extrem an, die diese Wirklichkeit negieren und so tun, als ob es in diesem unnatürlichen sowjetischen Vasallenstaat eine Zukunft gegeben hätte!
Ich darf das sagen, denn ich stamme aus dem Magdeburger Raum, habe die DDR aber immer verachtet.
Natürlich hat das nichts damit zu tun, dass das Gesellschaftssystem der heutigen Zeit befriedigend ist und nicht bestimmte Strukturen in der DDR durchaus erstrebenswert, aber die grundsätzliche Infragestellung der enormen Aufbauleistung durch westdeutsche Gelder, die nicht im Ansatz jemals von der DDR hätten selbst erwirtschaftet werden können, kann nur mit der Bitterkeit derer erklärt werden, die mit der Einheit an gesellschaftlicher Stellung und materiell verloren haben.
Derer gibt es nicht wenige und davon habe ich selber einige in der Familie und es ist aussichtlos gegen diesen Altersstarrsinn mit Argumenten anzugehen. Die Betroffenen versuchen sich immer an den wenigen Oasen der Wettbewerbsfähigkeit in der DDR festzuklammern, wie den FCKW freien Kühlschrank oder Maschinenbaufirmen, die vom Westen unnötig platt gemacht wurden.
Natürlich sind die heutigen Probleme der fehlenden Industrie in Mitteldeutschland durch die katastrophale Politik der Treuhand und der damaligen Regierung verschuldet worden, die das kapitalistische Raubtier nicht an die Leine genommen haben. Aber mal ehrlich, die Menge Geld die seit 20 Jahren in die Mitte Deutschlands geflossen ist, hätte die Wirtschaftskraft der Ex-DDR nie und nimmer hergegeben!
Es ist halt einfach ein grundsätzliches Problem, der Sozialismus zerstört die Häuser und der Kapitalismus die Menschen. Da man beides braucht, kann kein System auf Dauer allein überleben ohne sich dem anderen anzunähern. Diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen und wird es vielleicht nie, da es ein ständiges Ringen beider Seiten um die Vorherrschaft ist.
Deutschland befindet sich seit 1945 auf einem langen Weg der Regenerierung, ein Weg voller Opfer.
Und um zur Ausgangssituation dieses Berichtes zurück zu kommen, der verloren geglaubte Teil Deutschlands ist wiederbelebt, er ist wieder erblüht, und das kann niemand anzweifeln der offenen Auges egal in welche Stadt reist. Die Bilder des Autors sind nur winzig kleine Ausschnitte der Gesamtentwicklung.
Bei all dem materiellen Wiederaufbau darf aber der Mensch nicht vergessen werden und der gerät zunehmend ins Hintertreffen, darf sich zwar an der Schönheit der neuen Häuser erfreuen aber kann es sich nicht mehr leisten darin zu wohnen.
Die Frage wird sein, wo wir in 20 Jahren stehen.
Tobias Höpfner
27. September 2010, 14:50
Hallo.
Zum letzten Bild, der Tankstelle an der Merseburger Straße.
Die Tankstelle selbst steht unter Denkmalschutz und darf daher architektonisch nicht verändert werden.
Ansonsten ein sehr schöner Beitrag. Wie schlimm es damals im Osten wirklich aussah, daran kann ich mich kaum noch erinnern.
Siegfried Wittenburg
27. September 2010, 16:08
"Wie schlimm es damals im Osten wirklich aussah, daran kann ich mich kaum noch erinnern." Mich interessiert sehr, aus welchen möglichen Gründen die Erinnerungen so gut wie ausgelöscht sind. Warum ist das so?
torsten steinbeck
27. September 2010, 17:03
Meinen Sie diese Frage Ernst Herr Wittenburg? Sie wissen doch, dass das menschliche Gehirn die Angewohnheit hat Erinnerungen zu schönen und negative Bilder weich zu zeichnen oder ganz zu löschen. Sie finden dazu im Netz genügend Material in der Psychoecke, Bücher dazu gibt es sicher auch.
Martin Schreiber
27. September 2010, 17:45
War klar das hier Schlüsse gezogen werden die mit der Realität wenig zu tun haben. Nehmen wir das gezeigte Zittau: geht man an dem Salzhaus vorbei kommt man an eine weite Brachfläche mitten in der Innenstadt. Dort stand bis in die 90er ein großes Barockhaus mit riesigem Innenhof. Außerdem fehlen weitere 5-8 Häuser. Man wollte diese Ecke bebauen, aber man findet keine Investoren da die Stadt zu arm ist und schrumpft. Geht man an der Brache vorbei folgt eine Straße deren Geschäfte zu ca. 1/3 leer stehen. Die Parallelstraße dazu ist in den letzten Jahren desöfteren halbseitig gesperrt gewesen da große Teile von Häusern einzustürzen drohten. Die Stadt hat diese Barockhäuser dann weggerissen. Geht man von dieser Straße nach Westen folgt eine Straße auf deren einer Seite 4 oder 5 Häuser fehlen, alle nach der Wende wegen Einsturzgefahr weggerissen. Danach kommt man zur sogenannten Uhreninsel. Dort hat man vor ca. 10 Jahren ein Ensemble aus Renaissance- Barock und einfachen klassizistischen Häusern weggerissen, so das die Straße als solche gar nicht mehr erkennbar ist sondern nun ein weiter Platz voller Unkraut und Verwilderung sichtbar ist.
Und warum ist das so? Weil die Stadt in 20 Jahren von 39.000 auf 22.000 Einwohner geschrumpft ist. Die Stadt ist heute kleiner als in der Gründerzeit, sie ist quasi vorindustriell. Also hört mir auf mit blühenden Landschaften. Schrumpfende Städte mit verfallender Innenstadt sind einfach nur deprimierend, und die gezeigten Bilder sind alles andere als repräsentativ. Es sind eher potemkinsche Dörfer.
Siegfried Wittenburg
27. September 2010, 19:00
Herr Steinbeck, ich vermute, dass das realistische Bild nicht bemerkt wurde, weil es von der Propaganda und den DDR-Medien geschönt wurde. Es fehlten auch die Vergleichsmöglichkeiten außerhalb des Staates. In den DDR-Medien wurden ganz gezielt die Ausschnitte aus der Wirklichkeit gezeigt, die zufällig gerade mal einigermaßen vorzeigbar waren. Mir ist das jedenfalls aufgefallen.
Als ich einmal mit dem Oberbürgermeister einer mittelgroßen Stadt wie Zittau sprach, spürte ich, dass verschiedene Wahrnehmungen existierten. Heute lösen solche Fotos bei vielen Menschen Schockreaktionen aus. Dabei war es der alltägliche Anblick.
Ich bin kein Psyochologe. Können Sie mir genauere Tipps geben?
Siegfried Wittenburg
27. September 2010, 19:52
'Blühende Landschaften" ist ein Reizwort.
Was Zittau anbetrifft, so hatte die Stadt ihre Blütezeit, als sie noch an keine Grenzen stieß. 1950 hatte die Stadt die meisten Einwohner, vielleicht auch durch viele Flüchtlinge. Dann schrumpfte sie wieder. Städte blühen und schrumpfen mit ihrer Wirtschaft. Das ist in Deutschland so wie in den USA und in Russland. Auch in Westdeutschland habe ich industriellen Kahlschlag gesehen, weil das Kapital ins billig produzierende Ausland gegangen ist. Es ist nicht nur an Zittau vorbei gezogen.
Der Zustand Zittaus mag zwar schmerzen, ist aber nicht der deutschen Regierung anzulasten, die in den letzten 20 Jahren das Sagen hatte. Es ist der deutsche Weg nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.
Die osteuropäischen Länder können größtenteils noch nicht auf sanierte Städte schauen. Sie sind oft schon stolz, wenn der Marktplatz und die Fußgängerzone wieder hergerichtet sind. Und sie freuen sich vor allem, keinen Breshnew mehr als Vormund zu haben, der ihre Entwicklung hemmt.
Es hat keinen Sinn mehr, nach Schuldigen zu suchen. Tun heißt die Devise. Aus Sch... Bonbons machen. Das haben wir doch schon immer getan, oder?
Petra Grünendahl
27. September 2010, 20:38
Das schlimme an diesen Fotos (den aus den 90er Jahren) ist: So sehen HEUTE manche Ecken hier in Duisburg auch aus. Herrliche alte Bausubstanz ehemals guter Viertel verfällt, weil niemand für den Erhalt zahlen kann ... Und unsere Stadt hat 600 Mio. Euro zusätzliche Schulden machen müssen für den Aufbau Ost.
Nicht, dass es den "Ossi" nicht gegönnt sei, aber Probleme haben wir hier auch mehr als genug! Das Geld hätten wir auch gebrauchen können ...
Mario Urban
27. September 2010, 21:30
Nunja, das ist wieder so ein Teilzeit-Propaganda Artikel, wie vom Spon gewohnt.
Lügen und Halbwahrheiten halten sich hier die Waage, bis ..
ja, bis zum letzten Absatz...
Ich war vor knapp einemJahr in Görlitz..
Und ja, es ist genauso wie beschrieben...
Klar wurden hunderte Gebäude renoviert, und klar ist auch:
die DDR hat sich ganz eindeutig an Ihrem kulturellem Erbe versündigt.
Dort wo vor ein paar Wochen noch das Hochwasser stand, bin ich vor
einem Jahr umhergewandelt...
Da waren gerade umfangreiche Modernisierungsarbeiten im Gange..
Görlitz ist eine unglaublich faszinierende - und tote Stadt zugleich.
Teilweise ist mustergültig saniert worden, aber eben nur teilweise...
Wenige Meter neben wunderbar sanierten Altbauten sind Reste einer Industrieruine sichtbar (unterhalb desDoms) ..
Oberlausitzer ...Spinnereien..
Es ist zum heulen.. Die Stadt wurde kastriert.
Ihre wirtschaflichen Grundlagen wurden bewußt zerschnitten.
Görlitz ist eine kranke Stadt.
Das letzte Mal vorher war ich1987 in der Stadt, Braunkohlegestank, Verfall- ja.
Aber die Stadt war lebendig. Im letztem Jahrwar die Stadt mitten am Tag praktisch tot. Furchtbar.
Und dennoch.. Am Schönhof..staun.. sofort war ich mitten im Defa-Film
"Gevatter Tod"...
Und DIESE Stadt hatte mich ganz schnell gepackt...
Gäbe es doch nur ein Paar brauchbare Jobs vor Ort..
Ich wüsste wohin ich zöge.
Ein Exil-Ossi.
Siegfried Wittenburg
28. September 2010, 12:45
Vom einst mächtigen Römischen Reich sind auch nur ein paar Ruinen übrig geblieben. Vielleicht hat das industrielle Zeitalter in Mitteleuropa, in Duisburg, in Zittau, in Görlitz seine Blütezeit hinter sich?
Wohlstand hat auch die Eigenschaft, dass sich die Menschen bequem einrichten, keine Risiken mehr eingehen und im Besitzstandsdenken verharren. Und zu wenige Kinder in die Welt setzen. Die Beweglichen entdecken dagegen lukrativere Landstriche außerhalb Deutschlands und sogar Europas, wo sie ihren Lebensentwurf realisieren können.
In Polen als ein Beispiel in Osteuropa, in einem der neuen EU-Länder, erlebe ich zwar einen geringeren Wohlstand, aber einen optimistischen Aufbruch der jungen Bevölkerung nach jahrzehntelangen "schlechten Zeiten". Überschreite ich von dort aus die Grenze zu Deutschland, fühle ich mich wie in einem Altenheim. Und in grenznahen Gebieten, wie ich es von Stettin kenne, siedeln bereits viele Polen auf deutscher Seite, weil die Mieten billiger und die Wohnungen besser sind. Die Deutschen an der Ostgrenze wandern nicht mehr in den Westen, sondern gehen in Polen arbeiten. Es geht ihnen gut dabei. Und in den Kindergärten und Schulen werden beide Sprachen gelehrt.
Die historisch gewachsenen Strukturen im Osten Deutschlands wurden mit dem Ende des 2. WK durch die Festlegung der Oder-Neiße-Grenze jäh gekappt. Die nächste Wirtschaftskrise führte die Einführung der D-Mark herbei, infolge dessen die mit angezogener Handbremse aufgebauten Beziehungen nach Osteuropa erneut jäh unterbrochen wurden. Das bedeutet zwei einschneidende "Katastrophen" in 45 Jahren im Osten Deutschlands als Fazit einer gemeinsamen Geschichte der Deutschen.
Woher soll Kapital kommen, um die verfallenen Gebäude aufzurichten?
In Nordosteuropa (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei und Tschechien) beobachte ich einen viel intensiveren Warenaustausch als zwischen Ost- und Westdeutschland, wo die Waren vorwiegend in West-Ost-Richtung fließen. Die Sanierung der während der Sowjetherrschaft in Mitleidenschaft gezogenen Bausubstanz (die Städte sahen alle so aus wie in der DDR), erfolgt durch Handwerker, deren Lohn natürlich weitaus geringer ist als im Osten Deutschlands. Doch wer will in Görlitz oder Zittau für solchen Lohn arbeiten?
Es wird lange dauern, bis sich die Verhältnisse angeglichen haben. An Gebäudemauern kann man wie an Baumringen Veränderungen ablesen. Jedenfalls wurden mit den Sanierungen Arbeitsplätze aufrecht gehalten.
Nun müssen wir halt weitersehen und dürfen auch Duisburg nicht vergessen.
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