15 Diskussionsbeiträge zu diesem Thema
Letzter Beitrag:
uli schneider
10. April 2008, 10:22
Ich habe auch einige Anekdoten zu berichten:
1. Einer meiner Klassenkameraden (13.Klasse Gymnasium 1977) wurde beim Prüfungsausschuss für Gewissensfragen als Verweigerer abgelehnt mit der Begründung, man könne doch wohl von einem angehenden Abiturienten erwarten, dass er sich
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Andre Darmochwal
8. April 2008, 15:31
Man sollte vielleicht noch ergänzen, daß mittlerweile auch andere Behörden und z.T. Versicherungen Einsicht in die Musterungsakten nehmen können.
Nicht gut, wenn man sich privat krankenversichern will und wegen hohen Risikos aufgrund von Kreislaufproblemen und Fehlsichtigkeit einen erhöhten Beitrag zahlen darf. Oder man sich bei einer Behörde bewirbt und in der Musterungsakte Betäubungsmittelmißbrauch dokumentiert ist...
(Der Spiegel berichtete: http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=50828218&top=SPIEGEL)
Jens Ingwersen
8. April 2008, 15:34
Ich habe schon vor 7 Jahren "verweigert", indem ich einfach nach der Musterung (nicht ausgemustert) und Kriegsdienstverweigerung garnichts mehr gemacht habe. Ich habe auf keinen Drohbrief mehr reagiert.
Hat wunderbar geklappt. Und zwar aus folgendem Grund: Fast alle Zivistellen sind im sozialen Bereich, das heißt, die Zivistelle will sich lieber seine Zivis selbst aussuchen. Nur ganz wenigen ist es egal, wer da kommt. Das bedeutet, dem Bundesamt für Zivildienst stehen nur ganz wenige Stellen zur Verfügung, zu denen sie mich zwangsversetzen können.
Ich hab also keinen Dienst geleistet und hab dabei nicht gelogen, nichts verheimlicht, alles nach Gesetz gemacht. Als ich 23 wurde war ich dann sowieso aus dem Schneider.
Ulrich Eul
8. April 2008, 15:44
Eine gute Methode ausgemustert zu werden, besteht darin, am Tag vor der Musterung Viagra oder Cialis zu sich zu nehmen und mit einem dauererigierten Penis zu Musterung anzutreten.
Auf Nachfrage der Ärzte immer antworten, daß das Leben nur mit einem Dauerständer eträglich ist und man süchtig nach Cialis/Viagra ist ...
Hanns Botticelli
8. April 2008, 17:42
Ich habe vor 2 J ahren den Königsweg der Ausmusterung gewählt - eine gut in Szene gesetzte Depression.
Ich habe mich akribisch auf das Szenario vorbereitet Ich ging zu einer Psychologin und erzählte ihr die Wahrheit - "Ich wollte nach meinem Abitur schlichtweg ins Ausland und danach mein Studium beginnen". Sie hat mir nach einiger Zeit und dem Fernweh in meinen Augen eine "objektbezogene Persönlichkeitsstörung" schriftlich bestätigt. Diese legte ich ich bei einer Nachmuster vor (davor wurde ich T2 gemustert, da durfte beim 2ten Versuch nichts schiefgehen).
Ich hatte mir Online Hilfen zu Symptomen einer endogenen Depression besorgt und hatte meine Rolle so gut drauf, dass ich erstmal wieder einen Tag gebraucht habe dieses Rollenspiel zu verarbeiten.
Ich habe mir dazu noch Hilfe bei Herrn Zickenrott geholt - er ist ein sogenannter Ausmusterungsberater und hat auch ein entsprechendes Buch mit "Beispielfllen" veröffentlicht. Er half mir telefonisch mit den typischsten Fangfragen der Musterungsärzte und Psychologen. . .6 Monate später war ich durch Australien, Burma, Laos und Thailand gereist, hatte ein Praktikum abgeschlossen und studiere nun im 2. Semester .
Das Argument des Drückebergers zählt für mich nicht. Ich hatte nicht das Gefühl in der Schuld meines Landes zu stehen - jeder sollte die Möglichkeit haben sich so zu entwickeln wie ihm es beliebt.
Samuel Sudhof
8. April 2008, 18:17
Das mit dem Hörtest hat bei mir nicht funktioniert. Ich hab immer eine Sekunde Später reagiert. Das Ergebniss würde trotzdem mit einem erstaunten "Sehr gut!" bewertet.
Was half ist die richtige Technik "freundlich frech" zu sein.
Es lief folgendermaßen: Ich hab einige wehwehchen. Z.b. war mein linkes Bein mal kompliziert gebrochen und ist desswegen um 1° krumm, und meine Hüfte ist auch nicht die beste. Nun habe ich meinen Briefchen bekommen und der Termin war innerhalb meines Urlaubs (zu der Zeit war ich dann in Japan).
Desswegen würde die Musterung vorverlegt auf einen Termin ein paar Tage nach der Musterung. Ich hab meine Atteste von den jeweiligen Ärzten angefordert, aber die waren bis zur Musterung noch nicht da.
Dass habe ich der Tussi dann auch erklärt, und angeboten sie nachzureichen.
Sie fing dann aufgebracht an zu lamentieren und hat mir vorgeworfen ich wolle mich nach Japan absetzten. Das ich auf eigenen Wunsch den Termin vorverlegt hat, hat sie nicht im mindesten beeindruckt. Ich hab das alles einfach von mir abperlen lassen, sie mit großen Augen angesehen und höflich und cool auf ihre Fragen geantwortet. Als sie nach einer Viertelstunde endlich mal innehielt habe ich den Kopf etwas schräg gelegt, ein besorgtes Gesicht aufgesetzt und sie gefragt "Sagen sie mal, haben sie heute einen schlechten Tag?"
Sie guckt äufgewühlt zurück, es herrscht ein paar Momente Stille
"Na eigentlich sind Sie ja sowieso zu klein"
Volker Bergholter
8. April 2008, 19:11
Ich habe 19969 den Kriegsdienst mit der Waffe verweigert. Die Fragen waren abwegig, aber zuständig für die Anerkenneung war nicht die Bundeswehr (das Kreiswehrersatzamt) sondern ein vom Bezirksamt eingesetzter Anerkennungsausschus. Das macht das Verfahren zwar nicht besser aber wenigstens korrekt.
Rainer Selz
8. April 2008, 20:27
Ich wurde 1986 gemustert und kannte natürlich auch die Tricks.... Farbenblinde sehen bestimmte Zahl im Muster usw. Der Erfolg war, dass mir nicht geglaubt wurde, dass ich nicht räumlich sehen kann.
So wurde ich T2 gemustert. Ich hätte wohl dagegen vorgehen können, was mir wahrscheinlich den 1er Führerschein gekostet hätte.
Ein gleichaltriger Vater der nicht krank war, wurde ausgemustert.
So habe ich wohl doch zum Zivildienst müssen, wo ich meine jetzige Frau kennen lernte ;-)
Detlef-Andreas Fabian
8. April 2008, 21:25
>Ich habe vor 2 J ahren den Königsweg der Ausmusterung gewählt - eine gut in Szene gesetzte Depression.
>Ich habe mich akribisch auf das Szenario vorbereitet Ich ging zu einer Psychologin und erzählte ihr die Wahrheit - "Ich wollte nach meinem Abitur schlichtweg ins Ausland und danach mein Studium beginnen". Sie hat mir nach einiger Zeit und dem Fernweh in meinen Augen eine "objektbezogene Persönlichkeitsstörung" schriftlich bestätigt. Diese legte ich ich bei einer Nachmuster vor (davor wurde ich T2 gemustert, da durfte beim 2ten Versuch nichts schiefgehen).
>Ich hatte mir Online Hilfen zu Symptomen einer endogenen Depression besorgt und hatte meine Rolle so gut drauf, dass ich erstmal wieder einen Tag gebraucht habe dieses Rollenspiel zu verarbeiten.
>Ich habe mir dazu noch Hilfe bei Herrn Zickenrott geholt - er ist ein sogenannter Ausmusterungsberater und hat auch ein entsprechendes Buch mit "Beispielfllen" veröffentlicht. Er half mir telefonisch mit den typischsten Fangfragen der Musterungsärzte und Psychologen. . .6 Monate später war ich durch Australien, Burma, Laos und Thailand gereist, hatte ein Praktikum abgeschlossen und studiere nun im 2. Semester .
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>Das Argument des Drückebergers zählt für mich nicht. Ich hatte nicht das Gefühl in der Schuld meines Landes zu stehen - jeder sollte die Möglichkeit haben sich so zu entwickeln wie ihm es beliebt.
Wenn für Sie das Argument des Drückebergers nicht gilt, möchte ich von Ihnen wissen, warum Sie dann so eine bescheuerte Inszinierung durchgezogen haben. Es wäre aus meiner Sicht ehrlicher gewesen, das Sie sich der Situation gestellt und klare Position zur Verweigerung bezogen hätten. Das sage ich Ihnen als Kriefsdienstverweigerer, der 1979 vor zwei Kammern erscheinen musste... Gruß
Lars Velten
8. April 2008, 22:15
Ich finde, wenn man sich vor dem Wehr- oder Ersatzdienst drückt verpasst man einfach eine einmalige Gelegenheit, über den Tellerrand hinaus zu schauen und vollkommen neue Erfahrungen zu machen. Früher gings ja vor allem darum, als besseres Kanonenfutter bei der Bundeswehr anzutreten. Aber heute wird doch die Wehrpflicht nur aufrecht erhalten, weil Zivis gebraucht werden - die Verweigerung ist eine Formalität! Und im sozialen Bereich gibt es unglaublich viele verschiedene Stellen, ich denke da ist für jeden etwas dabei (und für manch einen ist auch Bundeswehr wirklich eine positive Erfahrung!). Von meinen Freunden bereut kaum einer, Zivildienst/FÖJ/FSJ/Bund gemacht zu haben. Egal ob man im Krankenwagen, im Kindergarten, bei einer Jugendgruppe, ..., arbeitet. Man muss sich nur rechtzeitig darum kümmern, dann findet man auch etwas gutes. Ich selbst war bei einem Entwicklungsprojekt in Tansania und habe soviel gelernt wie in 13 Jahren Schule nicht. Dank des Programms "weltwärts" vom BMZ werden in diesem Bereich viele neue Stellen geschaffen + finanziert. Also informiert euch lieber über mögliche stellen, statt über Wege, darum herum zu kommen.
Ach so und ich finde diese Tricks verschärfen die Wehrungerechtigkeit, es sind vor allem die Betuchteren die Kontakte zu Ärzten haben, die bereit sind alles mögliche zu bescheinigen. Oder wieso sonst hat aus dem Edelviertel meiner Heimatstadt keiner meiner ehemaligen Mitschüler einen Dienst irgend einer Art geleistet? Trotz Sport 15 Punkte und so?
Andreas Rudolf
8. April 2008, 22:46
Ich wurde im Jahre 2000 gemustert. Es gab damals eine Reihe von Naziskandalen in der Bundeswehr, und sie waren damals nicht sonderlich erpicht auf weitere Nazis in der Bundeswehr. So hab ich einen besonders waghalsigen Versuch unternommen, dieser Gemeinschaft fernzubleiben. Ich rasierte mir die Haare ab, zog Springerstiefel und eine Tarnjacke an. Die Nacht davor verbrachte ich bis zur Abfahrt in der Kneipe und fuhr sturztrunken zum Kreiswehrersatzamt. Dort verpflichtete ich mich sofort für 4 Jahre inkl. Auslandseinsatz. Nachfolgend versagte ich natürlich aufgrund von Trunkenheit und Desinteresse bei sämtlichen Tests. Bei dem schriftlichen Eignungstest (multiple choice) versagte ich zu 100%. Der Leiter sagte: "Sie können doch nicht ernsthaft so blöd sein. Ich gebe ihnen noch 4 weitere Fragen." Leider auch falsch. Dann ging es zur Psychologin. Trotz alldem hatte ich bis jetzt T2! Doch Phrasen über Panzer fahren, "Denen da unten werden wir es schon zeigen!" und dergleichen brachten die Wende. Ich verliess diesen Ort mit mit der bedauernden Bmerkung: "Leider haben wir für Sie derzeit keine Verwendung."
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