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Klaus Taubert
21. September 2011, 16:12
Um Herrn Rabe zu entgegnen, will ich nicht in die Details gehen, nicht von den Verurteilten aus Thüringen sprechen, die fernab vom Erfurt Kirchenbezirk, in Karl-Marx-Stadt, verurteilt, eingesperrt und dann in den Westen verkauft wurden ohne Hilfe von ihrer Kirche zu empfangen, auch nicht die
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André Ballin
19. September 2011, 07:30
Dass es in den 80er Jahren sieben Millionen Protestanten in der DDR gegeben haben soll, ist ja wohl deutlich übertrieben. Das wäre ja fast die Hälfte der Bevölkerung. Da hat der Autor wohl alle mitgezählt, die überhaupt jemals getauft worden sind. Tatsächliche Kirchenmitglieder waren damals deutlich weniger Menschen.
Frank Schneider
19. September 2011, 10:13
Wie wir schon aus dem sog. Dritten Reich und vielen anderen vergleichbaren Fällen wissen, steht die kath. Kirche immer auf der Seite der Mächtigen.
Der Nimbus der deutschen Bischöfe als Widerstandskämpfer hat einer Überprüfung nicht standgehalten. (Nur Bischof von Galen, der sich aber nur gegen die Euthanasie, nicht gegen die Ermordung der Juden wandte, bildete eine Ausnahme. Sein Cousin Bischof von Preyssing wagte sich nicht an die Öffentlich und unterrichtete nur seinen Freund Pius XII. was vorging und forderte ihn zum Handeln auf. Der Öffentlichtkeit wurde diese kaum bekannt.)
Siegfried Wittenburg
19. September 2011, 11:28
"Das wäre ja fast die Hälfte der Bevölkerung."
Ich habe einmal nachgesehen: 1964 gaben noch 68 Prozent der Menschen in der DDR an, einer Konfession anzugehören. Im Jahre 1990 waren es nur noch 25 Prozent. Doch nach einer Phase der Kirchenaustritte nahmen die Kircheneintritte in den 80er Jahren entgegen den Prognosen der DDR-Regierung nach meiner Kenntnis wieder zu. Gerade durch die evangelischen Kirchen wehte ein frischer, für die DDR-Führung gefährlicher Wind, was auch die entsprechende Wirkung nicht verfehlt hat.
Vielleicht kam so die Idee ins Spiel, den Papst einzuladen. Ich kann mir allerdings nicht erklären, was das bewirken sollte. Die östlichen Bundesländer sind seit der Reformation protestantisch geprägt. Die Katholiken kamen in der Mehrheit nach dem Krieg aus dem Osten.
Ich kann mich auch an eine Versammlung im VEB erinnern, wie der "polnische Papst" Johannes Paul II. gleich nach seiner Wahl 1978 als "gezielte Attacke" des "Klassenfeindes" dargestellt wurde. Die darauf folgenden Ereignisse im katholischen Polen hielten die DDR-Führung in Atem. Keine Frage. In Polen blieb die Anzahl der katholischen Christen mit einem Anteil von 90 Prozent in den 80er Jahren stabil. Sie konnten auch in den Westen reisen, wenn sie bescheidene Mittel dafür aufgebracht haben.
Heute gibt es in den östlichen Bundesländern über 3 Mio Protestanten und über 800.000 Katholiken. Tendenz fallend.
Klaus Taubert
19. September 2011, 16:52
Was den Einwand von Herrn Ballin betrifft, da kann ich aus einem Papier über die DDR Die neue Entwicklung im Verhältnis zwischen Kirche und Staat, erschienen 1979 in Hamburg, zitieren, in dem die Mitgliederzahlen von Kirchen dargestellt sind: Im Dezember 1977 gab es noch 7.895.000 evangelische Christen in der DDR. Davon lassen sich etwa zehn bis 20 Prozent konfirmieren, weitere zehn Prozent heiraten kirchlich. Von den Kindern evangelischer Eltern werden etwa zehn Prozent getauft. Und laut Zitat aus einem internen Vortrag von Klaus Gysi, Staatssekretär für Kirchenfragen, am 2. April 1984: Die DDR ist das einzige Land (im Ostblock, d.A.) mit einer so hohen Mehrheit an Protestanten: Acht evangelische Landeskirchen haben sechs bis sieben Millionen Mitglieder. Ganz sicher hätte er ehr unter- als übertrieben. Kann sein, dass es danach etwas weniger geworden sind, obwohl der Zulauf in den letzten achtziger Jahren zugenommen hatte. Nach der so genannten protestantischen Revolution in der DDR wurden es erheblich weniger.
Robert Rabe
21. September 2011, 02:53
Ein seltsamer Artikel: Implizit wird der katholischen Kirche auf dem Gebiet der DDR vorgeworfen, sich nicht ausreichend genug gegen das Regime engagiert zu haben (von einem Protagonisten dieses Systems).
M.E. verwechselt dabei der Autor die katholische Kirche mit einer irgendwie politischen Organisation. Einen politischen Katholizismus hat es wohl in Deutschland zuletzt höchstens noch in der Weimarer Republik gegeben, und auch dort ist er eher eine Folge des Kulturkampfes noch aus der Bismarck-Zeit. Im Dritten Reich gab es kein wirkliches katholisches Pendant zu den (protestantischen) "Deutschen Christen" - dementsprechend auch keine (katholische) "Bekennende Kirche". Natürlich gab es Vertreter der katholischen Kirche, die sich unter den jeweiligen Diktaturen aus persönlicher Überzeugung für oder gegen das Regime einsetzten - aber jeder Priester oder Bischof ist eben auch ein (ggf. politisch überzeugter) Mensch - mit allen Konsequenzen.
Die katholische Kirche in der DDR arrangierte sich gelegentlich mit den Vertretern des Systems zur Durchsetzung der eigenen Interessen - mir ist aber kein Fall bekannt, wo sich daraus irgendein Nachteil für oppositionelle Kräfte ergeben hatte. Es gab keinen wirklichen Konfrontationskurs - aber man biederte sich eben auch nicht wirklich an (wie es der Autor zu unterstellen versucht). Ein dem Kasus Stolpe vergleichbarer Fall ist für die katholische Kirche m.W. nicht bekannt.
Die katholische Kirche in der DDR bot unter den gegebenen Umständen einen wirklichen Freiraum; und gerade im von Taubert abschätzig erwähnten Eichsfeld ("...Die Zusammenarbeit zwischen DDR-Staat und Klerus funktionierte in der katholischen Hochburg besonders gut...") zeigte z.B. die jährliche Palmsonntagsprozession in Heiligenstadt den Vertretern des Staates eine deutliche Grenze auf - gerade auch deshalb, weil es sich eben nicht um eine vordergründig politische Veranstaltung handelte.
Die katholische Kirche in der DDR war in erster Linie katholisch, nicht politisch. Sie hat m.E. keinen wesentlichen Anteil an der Überwindung des Systems gehabt - es aber auch nicht einmal ansatzweise zu stützen versucht (und schon gar nicht, weil der Papst kommen sollte...).
Daß das ehemalige SED-Mitglied Taubert das nicht sehen kann und will, ist sicher einem eingeschränkten und zudem doch arg gewendetem Blickwinkel anzulasten. Auch selbsteingestandener Opportunismus mach das in meinen Augen nicht besser - eher schlimmer.
Siegfried Wittenburg
21. September 2011, 12:09
@ Robert Rabe
Ein Mensch droht zu ertrinken und ruft um Hilfe. Drei Menschen bemerken es. Der erste stößt den Ertrinkenden aus persönlichen Gründen zurück ins Wasser. Der zweite springt unter eigener Gefahr ins Wasser, um zu helfen. Der dritte betrachtet gleichgültig das Geschehen aus sicherem Abstand.
Was ist besser?
Robert Rabe
21. September 2011, 13:51
@ Siegfrief Wittenburg
Das Bild verstehe ich nicht: Im konkreten Fall (z.B. bei der Dombesetzung in Erfurt) hat die katholische Kirche den "Ertrinkenden" doch geholfen - alle Ausreisewilligen konnten ausreisen. Daß jetzt jemand, der damals auf der Seite derjenigen stand, die die "Ertrinkenden" ins Wasser gestoßen haben, heute die Geräuschlosigkeit der Hilfe anprangert, zeichnet in meinen Augen ein verheerendes Bild ethischer Grundlagen in der letztendlich moralisierenden Darstellung zeitgeschichtlicher Vorgänge.
Ich wollte im Kern nur aussagen, daß es ein Mißverständnis ist, in der katholischen Kirche der DDR eine versagt habende oppositionelle Gruppierung zu sehen.
Dem Roten Kreuz (z.B.) wirft schließlich auch niemand vor, in Konflikten nicht deutlich eine der beteiligten Seiten (natürlich die "richtige" (tm)) zu unterstützen.
Daß der Katholizismus in totalitären Regimes oft integraler Bestandteil oder wenigstens Stütze des Machtgefüges sein kann (z.B. in mittel- und südamerikanischen Diktaturen), ist ein anderes Thema. Aufgrund der - vorsichtig formuliert - weltanschaulichen Differenzen kann im Fall der DDR m.E. aber auf keinen Fall eine solche Funktion der katholischen Kirche bestätigt werden.
Siegfried Wittenburg
21. September 2011, 14:05
@ Robert Rabe
Danke für Ihren Beitrag, doch Sie haben meine ganz konkrete, ideologiefreie und konfessionslose Frage nicht beantwortet.
Robert Rabe
21. September 2011, 14:48
@ Siegfried Wittenberg
Da ich in Ihrer Frage einen Bezug zum zugrundeliegenden Artikel vermute, kann ich sie nicht beantworten. Sie fordern in schlichter Rhetorik eine Positionsbestimmung, die ich nicht vornehmen kann und möchte.
Siegfried Wittenburg
21. September 2011, 15:05
@ Robert Rabe
Danke. Das ist der Punkt. Zu welchem Artikel auch immer.
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