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1988

Legendäre Konzerte

Stars and Stripes über Ost-Berlin



13 Diskussionsbeiträge zu diesem Thema

Letzter Beitrag:

Juan Carlos Sandino Ortega

22. Oktober 2008, 12:06
Es war...ein Rock Konzert für Nicaragua. Punkt. Basta. Wer hat hier wen instrumentalisiert? Welches US-Fahnenmeer der Untertanen? Dieses kann es schon deshalb nicht gegeben haben, weil uns Nicaraguanern selbst die Rot-Schwarz-Fahnen freundlich und betont höflich "untersagt" mehr...

Lars Hentschel
19. Juli 2008, 15:54
Schoener Bericht, vielen Dank. Eine Frage stellt sich mir jedoch: Wann bitte ist David Bowie in der DDR aufgetreten?

Danke

Lars Hentschel
Peter Wrampe
19. Juli 2008, 18:41
Kaff Freehold?... Hmmm. Wohl noch niemals dagewesen in der Perle von New Jersey an der Atlantikküste, wo Maenner noch Maenner sind...

Peter Wrampe
Uwe Köppe
19. Juli 2008, 21:11
Born in the USA - B. Springsteen

Geboren in den U.S.A.

Geboren in der Stadt des toten Mannes,
den ersten Tritt hatte ich schon, als ich auf den Boden aufschlug.
Du endest wie ein Hund, der zu viel geschlagen wurde, bis du dein halbes Leben damit verbringst dich davon zu erholen.

Geboren in USA
Ich wurde in den USA geboren
Ich wurde in den USA geboren
Geboren in den USA

In meiner Heimatstadt saß ich in der Patsche,
deshalb drückten sie mir eine Waffe in die Hand, schickten mich in ein fremdes Land,
um den "Gelben Mann" umzubringen.

Geboren in USA
Ich wurde in den USA geboren
Ich wurde in den USA geboren
Geboren in den USA

Ich kam nach Hause, in die Ölraffinerie,
der Einstellungs-Chef sagte "Sohn, wenn ich was zu entscheiden hätte",
Ich ging hin zu meinem Veteranenbetreuer,
der sagte "Sohn, verstehst Du´s denn nicht?"

Geboren in USA
Ich wurde in den USA geboren
Ich wurde in den USA geboren
Geboren in den USA

Ich hatte einen Bruder (wohl eher: Kamerad, Kumpel, Straßenjargon), der kämpfte in Khe Sahn gegen den Viet Cong,
die sind immer noch da - ihn gibt's nicht mehr.
Er hatte eine Frau in Saigon,
jetzt hab' ich ein Foto von ihm in ihren Armen.

Unten, im Schatten des Gefängnisses,
draußen bei den Gasfeuern der Raffinerie,
10 Jahre auf der Straße verbrannt (verschwendet)
Nirgendwo, wohin ich flüchten könnte, keinen Ort, wo ich hingehen könnte.

Geboren in USA
Ich wurde in den USA geboren
Ich bin ein längst vergangener Vater in den USA
Geboren in den USA
Geboren in den USA
Geboren in den USA
Ich bin ein cool rockender alter Mann in den USA
Sabine Leopold
20. Juli 2008, 02:20
Ich bin eine unter den 200.000 gewesen, das Konzert wird mir für immer unvergessen bleiben. Zum ersten Mal hat man sich zu etwas zugehörig gefühlt, was bis dahin einer anderen Welt anzugehören schien.
Ich hatte das Glück, ziemlich dicht an der Bühne zu stehen, dennoch war die Sicht nahezu Null, irgendwie waren alle größer als ich. Tanzen konnte man wegen der dichtgedrängten Menschenmassen auch nicht. Also haben wir mitgesungen, lauthals und voller Inbrunst, die Texte konnten wir schließlich alle auswendig. Und irgendwann ging schließlich auch so etwas wie Tanzen: Es sind einfach alle im selben Rhythmus gesprungen, das funktionierte auch in der Enge des Raumes.
Ja, und dann hat mich plötzlich ein völlig Fremder auf die Schultern gehoben, einfach so! "Komm, Kleene, du siehst doch sonst nüscht!" Ich habe nicht nach seinem Namen gefragt, dafür war alles zu chaotisch, und dann war er einfach im Gedränge verschwunden.
Deshalb heute und hier: Danke, du hast einem unglaublichen Konzert das I-Tüpfelchen aufgesetzt ... "Dance in the U.S.A." - Auge in Auge mit dem Boss!
Torsten Julich
20. Juli 2008, 12:21
Erst vor zwei Tagen habe ich mich an dieses großartige Ereignis erinnert.
Ich war mir nicht mehr sicher, ob es 1988 oder 1989 war. Dank des Artikels weiß ich es jetzt wieder, es war heute vor 20 Jahren.
Ja, ich war dabei und einer von denen in der ersten Reihe.
Die Karten besorgte ein Kollege, genannt Frank Zappa. Wir waren eine kleine Truppe aus Jena, die damals bei der Deutschen Post als Nachrichten- und Telefontechniker arbeitete.
Ich selber war nie der große Rock'n' Roll Fan, trotzdem fasziniert von dem Gedanken den "Boss" zu hören und zu sehen, live.
Es waren warme, sonnige Julitage, damals. Wir fuhren mit zwei Trabis nach Berlin. Meine Kollegen und Freunde kannten in Berlin ein paar Leute, die uns dankenswerter Weise in ihrer Wohnung am Prenzlauer Berg übernachten ließen. (Ost-) Berlin Prenzlauer Berg war zu DDR-Zeiten schon ziemlich hipp, urban und bevölkert mit, heute würde man sagen, Freaks. Es war also die richtige Gegend um sich zu akklimatisieren und auf so ein Konzert einzustimmen.
Wir waren jung und fanden die DDR und ihren kleinbürgerlichen Mief lästig. Solche Ereignisse wie das Konzert von Bruce Springsteen waren in der damaligen Zeit eine Art "Wurmloch" in ein anderes gesellschaftliches Universum, frei von Gängelung und falschen Idealen.
Das Konzert war berauschend und wir standen in der ersten Reihe. Das schafften wir nur, weil wir uns schon am frühen Mittag auf den Weg nach Berlin Weißensee gemacht hatten. Wir warteten auf den Boss und seine Musik ganze sechs Stunden.
Im Laufe der Zeit füllte sich die Arena Radrennbahn in Berlin Weißensee. Es war von ganz vorne kaum noch ein Durchkommen. Noch einmal versorgten wir uns mit alkoholfreien Getränken (ich glaube 20 Tüten Schokomilch, Alkohol gab es keinen) und kämpften uns zurück in die erste Reihe. Wir standen wie die Heringe, ganz vorne, vor meterhohen Lautsprechertürmen.
19.00 Uhr, Bruce Springsteen, der Boss, kam und spielte. Ein Wahnsinn, und wir waren dabei.
Ein Wahnsinn waren auch die Massen hinter uns. Immer wieder liefen Druckwellen durchs Publikum, die uns gegen die Betonbarriere pressten und uns den Atem nahmen. Doch wir hielten dem Druck der Tausenden Stand. Andere mussten erschöpft und ohnmächtig von den Ordnern heraus gezogen werden, in Sicherheit. Sie sahen nicht gut aus.
Trotzdem, ein tolles Konzert, die Musik, die Stimmung, die Worte des Boss'. Alles zusammen vermittelte Aufbruchstimmung, irgendwie.
Da wir direkt vor einem der Lautsprechertürme standen, bekamen wir nicht nur die Energie der zigtausend Menschen hinter uns zu spüren, sondern auch die Power der Lautstärke. Mein Brustkorb bebte im Takt der Musik, mein Kopf dröhnte.
Auch noch Tage nach dem Konzert hatte ich eine Art Tinnitus, der mich an dieses epochale Ereignis erinnerte.
Am Tag darauf, immer noch unter dem Eindruck des Bruce Springsteen Konzertes, machten wir uns auf die Heimreise. Es war bereits Abend, als unsere kleine Kolonne die Autobahn in Richtung Thüringen ansteuerte. Kurz hinter Schönefeld gab einer unserer Trabis seinen Dienst auf, Lichtmaschine defekt. Jetzt hieß es abschleppen. Da der Trabi mit der defekten Lichtmaschine der jüngere von den beiden war und sich deshalb besser zum Abschleppen eignete, wurden die beiden Lichtmaschinen mitten auf der Autobahn getauscht, so dass der Jüngere den Älteren an den Haken nehmen konnte.
Auf einem Rastplatz trafen wir ein paar junge Leute aus Hannover, auf der Rückreise von West-Berlin. Wir redeten über unsere Erlebnisse in der geteilten Stadt und unseren Wunsch auch mal nach Hannover fahren zu können. Die Jungs luden uns auf eine Flasche Johnny Walker ein, die sie gerade im Intershop erstanden hatten. Es war eine feuchtfröhliche Nacht. Das bunte Treiben beobachteten ein paar dunkle Gestalten in einem weißen Lada. Zum Spaß stiegen wir zu den Hannoveranern ins Auto und probten Republikflucht, mutig und selbstbewusst durch den Einfluss des Konzerts. Es passierte nichts, kein Eingriff der Ordnungsmacht.
Zur Republikflucht kam es dann nicht, weil eine alleinreisende Dame aus Westdeutschland nach einem Besuch der Toilette ihren Ford nicht mehr aufschließen konnte.
Ich schlug vor, es doch einmal mit unseren Trabi Schlüsseln zu probieren. Es funktionierte, die Tür des Autos öffnete sich, der Frau war geholfen.
Der Amerikaner Bruce Springsteen sorgte so für ein kleines deutsch-deutsches Stelldichein auf der Transitautobahn mitten in der damaligen DDR.
Dieses Konzert bleibt für mich ein herausragendes Erlebnis, nur noch übertroffen von der Maueröffnung, die ich auch in Berlin erlebte.
A. Heinze
20. Juli 2008, 12:51
ja schade, mein text ist weg (fehler 500). vielleicht findet ein mitarbeiter ihn im nirwana des netzes wieder.
der autor setzt sich leider nicht wirklich mit der realen situation auseinander. entweder er stammt aus dem westen oder war ein sehr angepasster ddr-bürger, mindestens fdj-sekretär.

nur kurz:
kein ddr-jugendlicher hörte freiwillig phudies, etc. ddr-musik war absolut verpönt. es liefen nur west-fernsehen und west-radio. ost-rundfunk haben nur funktionäre geschaut. es gab keine party mit ostmusik.

eintrittskarte bild 3 ist die normale für normalbürger. eintrittskarte bild 13 ist von und für funktionäre.

kai-uwe kohlschmidt hat das konzert in seinem song "born in gdr" sehr gut karikiert. bilder und den song gibts hier:
http://www.youtube.com/watch?v=5nyfJdm3G5M

in erinnerung bleiben nur die schlechte akustik und menschenmassen, menschenmassen, menschenmassen. und sehr viel polizei und stasi, die im gesamten stadtbezirk unterwegs waren. unter den "ordnern" konnte ich einge leute aus nachbarorten erkennen. wo man dann wusste woran man war.

der staat hatte in den 80-igern den letzten bezug zur jugend verloren. keiner sah im osten eine richtige perspektive, alle hatten frust, waren resigniert und hatten interesse an sozialistischer politik. zulauf hatten die jugendbewegungen (blues, hippie, punk, hiphop, etc..) und die mainstreammode, wie im westen. die konzerte in weißensee dienten vorangig zur beruhigung der jugend.

in erinnerung bleibt auch das kollektive ausbuhen von kati witt und das singen aller texte, "born in the usa". da haben sicherlich einige funktionäre gezittert und sich geschämt im fdj-hemd angereist zu sein.

wäre schon gewesen, der autor hätte diese seite des konzerts auch beschrieben. die situation der ddr-jugend ist absolut weltfremd beschrieben. jeder leser erhält den eindruck alle waren sozialisten und haben auch mal bruce springsteen gehört. es war genau andersrum!
Sabine Leopold
21. Juli 2008, 09:15
Ergänzung zum Bildtext: "Um live dabei zu sein, musste der Musikfan - egal ob er auf Rügen oder im Erzgebirge lebte - verlässliches Mitglied der FDJ sein." ... Ich war damals Studentin in Berlin, und unsere Karten haben wir ganz normal im Vorverkauf an der damaligen Werner-Seelenbinder-Halle erworben. Nach einer FDJ-Mitgliedschaft hat da keiner gefragt, schon gar nicht danach, ob wir "verlässlich" waren. Diese Bemerkung ist also Unfug.
Michael Muhr
21. Juli 2008, 10:59
Der Kartenerwerb funktionierte für mich noch viel einfacher: Nach Berlin fahren und in Weißensee in die "sozialistische Wartegemeinschaft" an der Tageskasse einreihen.

Und es hat geklappt, die Eintrittskarte ohne Stempel vom Zentralrat der FDJ hat noch heute einen Ehrenplatz in meinem Wohnzimmer ...
Sabine Leopold
21. Juli 2008, 23:00
Zitat A. Heinze:

"nur kurz:
kein ddr-jugendlicher hörte freiwillig phudies, etc. ddr-musik war absolut verpönt. es liefen nur west-fernsehen und west-radio. ost-rundfunk haben nur funktionäre geschaut. es gab keine party mit ostmusik."

Möglicherweise haben wir ja verschiedene Erinnerungen an diese Zeit. Das mag auch damit zu tun haben, wo genau man gelebt und mit wem man Umgang gehabt hat, aber dass KEIN DDR-Jugendlicher FREIWILLIG die Pudhys gehört hätte, ist völliger Unsinn.

Natürlich hatten die DDR-Bands ihre Fans, für Karat- und Karussell-Platten habe ich sogar mein Taschengeld und später die ersten Lehrlingskröten ausgegeben. Und es liefen nicht NUR West-Fernsehen und -Radio, schon, weil diese Sender nicht überall zu empfangen waren. Ich bin zwar auch mit ARD und Bayern 3 großgeworden, aber spannende Filme habe ich mir angesehen, egal, wo sie liefen. Und die meisten meiner Bekannten haben es ebenso gehalten.

Nein, wir waren nicht alle angepasste Sozialisten, aber wir waren auch nicht alle unbeugsame Widerstandskämpfer. Wir haben einfach gelebt wie junge Leute, uns genommen, was da war, und uns gewünscht, was nicht zu kriegen war. Und zu diesem Leben gehörte auch mal Spaß an Ost-Rock (auch als Nicht-Funktionär). Und wenn der Song gut war, lief er auch auf unseren Partys, einfach, weil ich mir von KEINEM Vorschriften machen lassen wollte, was ich mögen darf und was nicht ... auch nicht von denen, die generell alles aus dem Osten ablehnten. Und damit war ich keinesfalls allein ...
Bernd Meister
22. Juli 2008, 15:03
A. Heinze: Wer an diesem Abend bestimmt nicht da war - jedenfalls nicht auf der Bühne - ist Kati Witt. Die hatte irgendwann vorher mal ein Brian-Adams-Konzert moderiert. Bruce Springsteen wurde von einem Mann anmoderiert, der u. a. darauf hinwies, dass B. S. ein "harter Arbeiter" sei und vier Studen spielen würde - was inklusive Pause dann ja auch stimmte.

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