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Volker Altmann
27. April 2012, 12:57
Wo fehlt es denn an Aufarbeitung, was die Geschichte der DDR betrifft? Es gibt die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU), es gibt Aufklärung über die Verbrechen in den
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Andre Jortzik
22. April 2012, 21:25
Nö. ich glaube das nicht. 18 IM wegen eines spätpubertierenden schwarzen Jungen? Der Mann leidet ein bissl an Selbstüberschätzung. So dicht war das Netz des SSD nicht. Der Umgang mit ihm als außerlicher Außenseiter mit homosexuellen Neigungen in der DDR war allerdings auch nicht sehr fair.
Jürgen Seeholzer
23. April 2012, 10:38
Jaja, "die DDR war ein Rechtstaat." (weit verbreitete Ansicht unter Ostalgikern und Kiezlinken)... und " eine kommode Diktatur" (ein allseits bekannter, deutscher Schreiberling und Antisemit).
Wenn wir die DDR nicht genauso aufarbeiten wie das 3.Reich, ist die Gefahr groß, daß sich so manches eines Tages wiederholt.
Volker Altmann
23. April 2012, 12:26
Sehr geehrter Herr Seeholzer,
sie nennen keinen Namen, aber ich vermute einmal, dass sie Herrn Grass meinen. Sollte das zutreffen, ist die Bezeichnung Schreiberling meiner Meinung nach doch etwas sehr überzogen. Und ein Antisemit ist er wohl mit Sicherheit nicht. Oder wird man das pauschal, wenn man Kritik an der israelischen Politik äußert? Selbst jüdische Kommentatoren halten das nicht unisono für gerecht.
Ich empfehle hierzu diesen Artikel aus der FAZ:
http://www.sueddeutsche.de/politik/alfred-grosser-ueber-kritik-an-israel-grass-hat-etwas-vernuenftiges-gesagt-1.1329287
Martin Tauchnitz
23. April 2012, 13:01
Soweit ich mich erinnere, war das "andere Wort" für Knast "Bautzen" und nicht Dresden...
Und zu Herrn Seeholzer - wo haben wir (sprich die Bundesrepublik Deutschland) denn das Dritte Reich aufgearbeitet?
Mit Bundesrichtern im SS-Rang? Leute wie Frau Klarsfeld waren (und sind) in ihrer Arbeit doch Außenseiter.
Das Dritte Reich ist in Deutschland NIE aufgearbeitet worden - im Osten nicht, weil es da per Definition das konkretisierte Böse war und weil man sich nicht in der Rechtsnachfolge sah und im Westen nicht, weil viel zu viele Großkopfete bis zum Hals mit drin gesteckt haben.
Von einer wirklich DIFFERENZIERTEN Aufarbeitung red ich da noch gar nicht! Und die wird es in den nächsten 100 jahren auch nicht geben - weder für das Dritte Reich, noch für die DDR.
Manfred Haferburg
24. April 2012, 21:20
>Nö. ich glaube das nicht. 18 IM wegen eines spätpubertierenden schwarzen Jungen? Der Mann leidet ein bissl an Selbstüberschätzung. So dicht war das Netz des SSD nicht. Der Umgang mit ihm als außerlicher Außenseiter mit homosexuellen Neigungen in der DDR war allerdings auch nicht sehr fair.
Selbstüberschätzung? Sie denken, die Stasi geizte mit IM? War vielleicht alles nicht so schlimm in der "kommoden Diktatur"?
Das Wort Fairness im Zusammenhang mit der Stasi zu benutzen, ist kühn. Nicht sehr fairer Umgang? Was meinen Sie denn? War der Umgang der Stasi mit dem schwulen Neger Nobi nur ein bisschen fair?
Und warum müssen einige Blogger hier immer gleich auf die mangelnde Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der "BRD" hinweisen, wenns um die Stasi-Verbrecher geht? Fühlt sich das besser an, wenn man versucht, die Bundesrepublik genauso mies darzustellen, wie das menschenverachtende System in der DDR?
Stefan Krause
26. April 2012, 03:14
Bisschen dick aufgetragen, einiges ist an der Story etwas zweifelhaft.
Ich behaupte einfach mal, dass niemand von der Stasi belästigt wurde, weil er dunkelhäutig oder schwul oder beides war. Wer sich allerdings mit dem Ostsystems offen erkennbar angelegt hat, hatte durchaus die Möglichkeit, für die Stasi interessant zu werden, so ist das halt in einer Diktatur, das war auch jedem Ostbürger klar.
> Göbels Fluchtpläne durften nicht an die Öffentlichkeit
> gelangen. Doch allein durch ein paar Ruhestörungen
> unter Alkoholeinfluss und Pöbeleien auf Feiern war er
> bald im Visier des Ministeriums für Staatssicherheit.
Wer sich ernsthaft aus der Ost-Diktatur verabschieden wollte, hat es im Regelfall vermieden, irgendwie auffällig zu werden, irgendwelche Rangeleien, Prügeleien und Pöbeleien haben die eigene Situation nicht wirklich verbessert und die Erpressbarkeit unter Umständen ganz massiv erhöht: Viele Delikte, die heute vor Gericht mit einem "Du, du" enden, wurden im Osten einfach mal mit Gefängnisstrafe geahndet - und dass ein Teil der Stasi-Spitzel ihre Bereitschaft zur Spitzeltätigkeit durch eine Haftverschonung oder eine vorzeitige Haftentlassung erklärt haben, ist hinlänglich bekannt.
Wer also ernstzunehmende Fluchtpläne hatte, hat sich normalerweise recht unauffällig verhalten, um mögliche Risiken zu minimieren.
> Göbel wusste, Dresden war ein anderes Wort für Knast.
Nach meinem Wissen war das Wort Bautzen, Dresden war die vom Ostregime immer stolz hochgehaltene, im Sozialismus wiederaufgebaute moderne Kulturmetropole und galt ganz bestimmt nicht als Begriff für Knast. Möglicherweise verwechselt Frau Natalie Deissler oder ihr Kioskbesitzer hier was.
Letztlich ist die geschilderte Geschichte, auch ohne schwarz und schwul, einfach die Geschichte vieler Ost-Jugendlicher, die zum real existierenden Sozialismus der Polit-Opas aus Ost-Berlin einfach überhaupt keine Beziehung hatten und einfach nur weg wollten, schon in jungen Jahren die Schnauze voll hatten von Einschränkungen, Mangel und Bevormundung. Mit Randgruppen-Mitgliedschaft hat das meiner Meinung nach recht wenig zu tun, wer die Ost-Ideologie deutlich erkennbar abgelehnt hat oder dem Osten den Rücken kehren wollte, der war einfach Staatsfeind, nicht wegen Farbe oder sexueller Ausrichtung, sondern einfach nur wegen "wer nicht für uns ist, ist gegen uns".
Jürgen Seeholzer
26. April 2012, 16:41
Ich würde schon sagen, daß die NS-Zeit in der BRD durchaus aufgearbeitet wurde:
Es vergeht kaum ein Tag, an dem in den Medien nicht irgendwo auf jene Zeit meist mit aufklärerischen Hintergrund hingewiesen wird.
Im Geschichtsunterricht wird das Thema meist mehrmals durchgenommen- ganz zu schweigen von anderen allgemeinbildenden Fächern wie Deutsch, Erdkunde, Sozialkunde etc.
Die 68er Bewegung richtete sich z.T. gegen die ganzen Seilschaften und Altnazis, die sich zumindest in den ersten zwei Jahrzehnten noch im Gefüge der BRD eingenistet haben.
Während die Linke nichts anderes ist als eine namensgeänderte SED ergänzt durch ein paar Westkommunisten, hätte eine namensgeänderte NSDAP nie eine Chance gehabt.
Die "Sozialistische Reichspartei", eine Sammelpartei von Altnazis wurde gleich anfang der 50er verboten.
Ganz zu schweigen von der Deutsch-Französischen Aussöhnung und anderen offizellen und privaten Aktionen.
Diese Liste liese sich noch lange fortführen.
Ob die getroffenen Masnahmen qualitativ und quantitativ ausreichend waren, sei mal dahingestellt.
Ich finde, daß seit den späten 60er durchaus viel erreicht wurde. Rechtsradikale werden isoliert und angefeindet, wo sie sich zu erkennen geben. Sie schaffen es mit Müh und Not mal in einen Landtag. Von Machtbeteiligung auf Landes- und Bundesebene kann nicht die Rede sein- und das ist gut so!
Demgegenüber stelle ich fest, daß die DDR mittlerweile nur allzu oft verharmlost wird bis hin, daß manche sie für ein "Sozialparadies" und das bessere Deutschland halten.
Die Mauertoten werden als "selber schuld" bezeichnet. Schlieslich hätte sie niemand gezwungen, zur Grenze zu gehen.
Eine Linke-Spitzenpoltikerin sinniert sogar öffentlich und unverschämt über die "Wege zum Kommunismus" etc. etc. etc..
Ich habe ja kein Problem damit, wenn ein Ex-DDR- Bürger sich an das eine oder andere Angenehme in der DDR erinnert. Mich stört aber, wenn man dabei, die Kehrseiten der DDR verharmlost und schön redet.
Die DDR hat zwar weder Weltkrieg noch Holocaust verbrochen, ihre Ideologie allerdings hat über 90 Mio Tote zu verantworten. Wer das mit einem Schulterzucken abtut und vom Sozialismus träumt, betreibt Geschichtsklitterung.
Und genau deswegen wünsche ich mir eine Besserung Aufarbeitung.
In der BRD hat sie auch 20 Jahre gebraucht, um auf den Weg zu kommen.
Jetzt wirds Zeit!
Volker Altmann
27. April 2012, 12:57
Wo fehlt es denn an Aufarbeitung, was die Geschichte der DDR betrifft? Es gibt die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU), es gibt Aufklärung über die Verbrechen in den Gefängnissen der DDR - wie etwa in Hohenschönhausen. Der Palast der Republik wurde schon lange geschleift, die Linke steht unter der Beobachtung des VS.
Quasi alles, was als positive Errungenschaft der DDR angeführt wird, alles, was an positiven Erinnerungen vermerkt wird, bekommt den Stempel "altkommunistische Weltanschauung" verpasst, ist man schnell dabei, diese Anmerkungen mit dem Urteil "ein Hohelied auf die Dikatur" niederzuwalzen.
Aufarbeitung kann nur heißen, aufeinander zu zu gehen. Alle Seiten zu Wort kommen zu lassen. Alleine mit der Keule "Ihr seid die Bösen, wir sind die Guten" wird es nie zu einer wirklichen Aufarbeitung kommen. Bestenfalls zu einem Triumphgeschrei der Gutmenschen, bei denen man manchmal den Anschein hat, sie hätten - jeder für sich - die Mauer alleine eingerissen.
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