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1954

Verbotene Klassiker Blutbad im Behördenzimmer



3 Diskussionsbeiträge zu diesem Thema

Letzter Beitrag:

Mischa Lisiza

6. Februar 2009, 04:50
>Zwar nicht völlig verboten, aber zweifellos Klassiker sind Roman Polanskis "Ekel" von 1965 und "Der Mieter" von 1976.

Ich habe damals den "Mieter" in Paris im Kino gesehen, in deutschen Fernseh-Programmzeitschriften fiel er mir erst vor kurzem einmal auf, mehr...

Werner von Schleiden
28. Januar 2009, 14:03
Zwar nicht völlig verboten, aber zweifellos Klassiker sind Roman Polanskis "Ekel" von 1965 und "Der Mieter" von 1976. Das Kuriose ist, man kann diese Filme nicht so ohne Weiteres auf DVD bestellen. Es fehlt, man höre und staune, die "Jugendfreigabe", was immer das sein mag.

Das bedeutet, man kann diese cineastischen Meisterwerke quasi nur "unter dem Ladentisch" erhalten wie irgendwelchen Schmuddelkram. Also nur auf eine teure Spezial-Versandart, bei der man sich beim Empfang der Sendung ausweisen und diesen quittieren muss.

Wenn man sich die Filme anguckt, fragt man sich, was um alles in der Welt daran mal so anstößig war - und offenbar immer noch ist.

Sascha Noelke
28. Januar 2009, 14:29
DIE ÄRZTE haben sicherlich kein Lied mit dem Aufruf zur Pädophilie gemacht.
Es sollte doch bitte der Songtitel und das dazugehörige Album aufgeführt werden!

Zudem habe ich erst gedacht, die Bravo wurde indiziert, wegen des Uschi Glas Fotos, nicht wegen der Selbstbefriedigung... = )
Mischa Lisiza
6. Februar 2009, 04:50
>Zwar nicht völlig verboten, aber zweifellos Klassiker sind Roman Polanskis "Ekel" von 1965 und "Der Mieter" von 1976.

Ich habe damals den "Mieter" in Paris im Kino gesehen, in deutschen Fernseh-Programmzeitschriften fiel er mir erst vor kurzem einmal auf, ob er vorher schon einmal gesendet wurde weiß ich nicht. Ich muß aber zugeben, daß ich davor zurückscheute, ihn noch einmal anzusehen.

Der Film ist, wie praktisch alle Werke von Polansky, absolut genial, zweifellos ein echtes Kunstwerk. Allerdings auf eine subtile Art auch sehr verstörend. Welche Wirkung er jeweils hinterlassen kann, hängt wohl von der psychischen Stabilität des Zuschauers und auch von seiner persönlichen Differenziertheit ab, regelrechte Dummköpfe würden vermutlich die Pointe garnicht vestehen.

Auf jeden Fall muß er innerlich verarbeitet werden, und ich meine, daß er etwa für psychisch noch unreife Jugendliche, besonders vielleicht für solche mit psychoseähnlichen Drogenerfahrungen, konstitutionell bedingter oder in der Adoleszens oft vorübergehend auftretender instabiler Persönlichkeitsstruktur sicher nichts ist. Aber wenn man davon ausginge, meine Güte, was müßte man heute alles von der Jugend fernhalten, an Filmen, Computerspielen usw.

Die alte Frage: was sollte man ggf. verbieten, wer darf das, und wie sieht es mit Grenzbereichen und überhaupt mit der Definition von Grenzen aus?

Mit anderen Worten: Wo endet die wünschenswerte Fürsorge des Staates, wo beginnt unter Umständen inakzeptable Freiheitseinschränkung (besonders der Kunst) und wie groß ist die Gefahr, daß am Ende vorgeschrieben ist, welche Witze noch erzählt werden dürfen? Wie geht man am besten gesellschaftstheoretisch mit dem prinzipiellen Spannungsboden zwischen einem rigiden Überwachunsgsstaat und einer radikal-liberalen Gesellschaft um, in der am Ende womöglich auch schwerstgestörte Psychopathen ihre morbiden Phantasien als "Kunstwerke" vorstellen?

In erster Linie sind wohl die Erzieher gefragt, ansonsten dürften die Dinge im Auge des Betrachters liegen. So wie der eben jeweils ist, beziehungsweise die Gesellschaft in der er lebt, und wie diese sich nunmal entwickelt hat. Die allgemein als "dekadent" eingeordnete antike spätrömische zum Beispiel (wo übrigens der Besuch des Amphitheaters für Jugendliche unter sechzehn Jahren verboten war). Spätere Generationen können dann entscheiden, wie die Verhältnisse zu bewerten gewesen wären. Zeitgenossen sehen in der Regel den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Man weiß also vorerst auch nicht, was man in zweihundert Jahren im Rückblick von einer Gesellschaft halten mag, in der Kinder am Computer "World of Warcraft" spielten, sich an blutig platzenden Schädeln in diversen "Ego-Shootern" ergötzten und deren Elterngeneration eine Filmfigur wie "Hanibal the Canibal" oder die spektakulären Leichenschauen eines merkwürdigen Pathologieprofessors unterhaltsam fand. Es hinge wieder davon ab, was für eine Gesellschaft das dann in zweihundert Jahren wäre.


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