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Ulrich Hartmann
25. November 2007, 15:38
Daß, wie in dem Artikel behauptet, der wöchentliche Feiertag im Juden- und Christentum nur "ein Zeitfenster für religiöse Rituale" gewesen sei, ist einfach nicht richtig. Der Sabbat war zuallererst ein Ruhetag (übrigens auch für die Tiere); die Rituale kamen
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Peter Müller
24. November 2007, 14:03
Mir fehlen in dem Beitrag drei entscheidende Hinweise:
1. Frühere Kulturen hatten viele unregelmäßige arbeitsfreie Festtage, die die Zahl unserer Feiertage einschließlich der Sonntage bei weitem übersteigt. Spuren dieser feiernfreudigeren Gesellschaften sehen wir noch im 2. Weihnachts- Oster- und Pfingstfeiertag.
2. Die Sumer/Babylonier/Assyrer hatten keinesfalls nur eine "wilde Wirrnis von Opfer- und Götterfesten", sondern einen strukturierten Kalender, auf dem unser Kalender ebenso basiert wie auf dem Sonnenkalender der alten Ägypter.
Selbstverständlich hatte die Zahl 7 eine magische Bedeutung. Die 7-Tagewoche wurde aber in Babylon eingeführt, weil sie dem Zyklus des Mondes am nächsten kommt. Von den Babyloniern haben die antiken und modernen Europäer ihre Wochentagsbezeichnungen übernommen, die sich auf Gottheiten und mit ihnen verbundene Gestirne bezogen. Beispielsweise geht der Freitag, wie dieser Wochentag in den germanischen Sprachen genannt wird, auf die babylonische Göttin Ischtar zurück. Die Griechen übernahmen die 7-Tagewoche von den Babyloniern und nannten diesen Tag nach ihrer entsprechenden Göttin: Aphrodite. Die Römer übernahmen die 7-Tagwoche und nannten den Tag nach der entsprechenden Göttin: Venus. Die germanischen Stämme übernahmen das Schema ebenfalls und benannten den Tag nun nach ihrer entsprechenden Gottheit: Freya. In der Tat ist es richtig, dass ein regelmäßiger freier Tag pro Woche erstmals von der jüdischen Kultur hervorgebracht wurde.
3. Caesar führte den ägyptischen Sonnenkalender im Römischen Reich ein. Dieser war keineswegs "kompliziert", sondern bereitete dem Chaos des bisherigen Mondkalenders ein Ende, der dem Zyklus des Sonnenjahres nicht entsprechen konnte (zwölf Zyklen des Mondes sind kürzer als ein Sonnenjahr) und daher ständig um Schalttage ergänzt werden musste.
Dies zeigt mir, dass unsere Vorfahren nicht nur über beeindruckende mathematische und astronomische Kenntnisse verfügten, sondern auch - trotz oder gerade wegen ihrer streng hierachischen Gesellschaften - die Notwendigkeit von umfassender arbeitsfreier Zeit erkannt haben. Vielleicht sollten wir uns auch dieses kulturelle Erbe wieder aneignen?
Andreas Bernhard
24. November 2007, 14:43
Mir fehlt in diesem Artikel der Respekt vor der Freizeit. Was so satirisch leichtfüßig daher kommt, könnte man auch so verstehen: Was soll das Wochenende - arbeiten wir halt 6 Tage die Woche. War doch früher auch nicht anders. Und warum nicht endlich uneingeschränkte Ladenöffnungszeiten.
In welcher Form auch immer das Arbeitsrecht umgeformt werden würde - die Arbeitnehmer oder Bürger werden nicht davon profitieren.
Die Argumentation, dass ein zweitägiges Wochenende früher nicht selbstverständlich war, könnte man in vielen Punkten fortsetzen. Früher waren Pressefreiheit, Menschenrechte und Menschenwürde nicht selbstverständlich. Sollen wir deshalb in Betracht ziehen, darauf zu verzichten? Montags morgens, im gestreiften Arbeitsanzug im Lager?
Peter Ludewig
25. November 2007, 02:14
Ein chinesischer Manager sagte einmal in einem TV-Talk, das Problem der Deutschen bzw. Europäer im globalen Wettberwerb sei, dass sie zuviel Zeit und Energie mit ihren privaten Angelegenheiten verplempern. Da sieht man doch sehr schön, woher der Wind die derzeit aufkommende Debatte hereinweht. Und überhaupt: Für die Laptopschlepper der digitalen Boheme und andere Freiberufler mag es ja egal sein, ob sie sonntags arbeiten und dafür dienstags den ganzen Tag im Café hocken - aber wie sieht es für den durchschnittlichen abhängig Beschäftigten aus, wenn die Chefetage künftoig den 24/7-Beat vorgibt?
Ulrich Hartmann
25. November 2007, 15:38
Daß, wie in dem Artikel behauptet, der wöchentliche Feiertag im Juden- und Christentum nur "ein Zeitfenster für religiöse Rituale" gewesen sei, ist einfach nicht richtig. Der Sabbat war zuallererst ein Ruhetag (übrigens auch für die Tiere); die Rituale kamen erst später dazu. Den Sabbat halten bedeutet bis heute, daß man sich an die verschiedenen Ruhevorschriften hält, nicht unbedingt, daß man in die Synagoge geht. Im Christentum hat zwar Martin Luther in der Tat den Sinn des Sonntags im Gottesdienstbesuch gesehen, aber gerade im Protestantismus spielte die Sonntagsruhe eine große Rolle. Besonders extrem war es in Schottland, aber ich kann mich auch aus meiner Jugend in den siebziger Jahren an Diskussionen erinnern, ob man am Sonntag stricken oder über Geld reden dürfe. Man darf allerdings nicht den Fehler machen, die traditionelle Sonntagsruhe mit Freizeit zu verwechseln, denn der Begriff Freizeit war früher generell unbekannt.
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